Uganda 2008

E3M-BLOG
Im Sommer 2008 haben wir zu viert (Edith, Maria, Michl und ich) für vier (bzw. Michl drei) Wochen
(8.7.-6.8.) Uganda bereist.
Unsere Reiseroute: Entebbe - Kampala - Jinja - Mbale - Mt. Elgon -
Kampala - Mbarara - Fort Portal - Lake Nkuruba - Kampala - Kasana -
Kampala - Entebbe

Unsere Berichte via Blog aus Uganda (E3M-Blog):
Mitten in Afrika... (9.7.)
... sind wir heute ganz uebermuedet gelandet. Die ersten Stunden von
4-6 verbrachten wir in einem Cafe in der Flughafen-Ankunftshalle, bei
Tagesanbruch nahmen wir uns schliesslich ein Taxi in die 40km entfernte
Hauptstadt Kampala. Der erste Eindruck von Uganda war ueberwaeltigend:
Von der Flughafen-Halbinsel blickt man rundum auf den riesigen
Viktoriasee; schon bei den ersten Sonnenstrahlen waren die Strassen von
Schulkindern und Menschen auf dem Weg zur Arbeit gesaeumt. Warum sie zu
Fuss gingen? - Vermutlich um dem totalen Verkehrsinfarkt in der
morgendlichen Rushhour zu entgehen... ;-) - in den wir natuerlich
sofort hineingeraten sind.

Nach
Reifenplatzer direkt vor unserer Unterkunft - bzw. billigen Absteige,
der ersten Bekanntschaft mit den dortigen Mitbewohnern (Kuechenschabe
und Schimmelpilz), brauchten wir zuerst einen ordentlichen ugandischen
Kaffee: Heisses Wasser bzw. heisse Milch mit noch mehr Wasser und etwas
braunem Farbstoff - so viel also zum Land des Kaffees...
Mittlerweile
haben wir beschlossen Morgen die intensive Hauptstadt gleich wieder zu
verlassen und uns in Jinja - der 2.groessten Stadt des Landes -
einzuquartieren und Afrika dort auf uns wirken zu lassen... Kampala ist
naemlich (wahrscheinlich auch aufgrund unserer derzeitigen Verfassung)
extrem hektisch, overcrowded und intensiv. Wir haben aber mit grosser
Freude schon festgestellt, dass die Einheimischen an uns nicht
besonders interessiert sind. Wir werden auf den Strassen weder
angequatscht, noch will man uns dauernd etwas verkaufen. Das geht sogar
so weit, dass man uns im Ticket-Office fragte, ob wir wirklich
Bus-Tickets kaufen wollten.
Jinja (11.8.)
Gestern sind wir hier an der Quelle des Weissen Nil angekommen, in
einer weitlaeufigen gruenen Stadt namens Jinja. Sehr touristisch aber
schoen! Wir haben unser Zelt im paradiesischen Garten eines kleinen
Hotels aufgestellt, eine Bootsfahrt gemacht und einige Restaurants
ausprobiert (gerade eben eines der zahlreichen indischen Restaurants -
Inder gibt es hier sehr viele).
Im Garten vom TimTon Hotel

Fischerboot für einen Trip zu der Quelle des weissen Nil

Michl und Edith mitten in der Quelle

Morgen
frueh gehts weiter nach Mbale, an den Fuss des Vulkans Mt.Elgon, den
wir im Laufe der kommenden Woche erklimmen wollen (ueber 4000 Meter!) -
dabei wird uns vermutlich ein Guide und sogar ein Porter helfen, denn
an die Erlaubnis, durch den Nationalpark zu trekken, sind verschiedene
Bedingungen geknuepft (wie z.B. Arbeitsplatzbeschaffung). Mehr dazu
vielleicht noch morgen. Vielleicht aber auch nicht, denn da haben wir
viel zu tun: Lebensmittel einkaufen, Permits organisieren, Trekk
vorbereiten. Solltet ihr also eine Woche nichts mehr hoeren, dann sind
wir bereits unterwegs an die kenianische Grenze.
Heute geniessen wir aber noch diesen wunderbaren Urlaubstag und die Stimmung hier am Viktoriasee (ohne Barsch).
8000 Meter spaeter... (20.7.)
... schaun wir mit schmerzenden Knien, Durchfall und langsam
abklingendem hoehenbedingten Kopfweh auf einen unglaublich(schoen)en
Hatscher zurueck. Der Mt. Elgon ist ein erkalteter Vulkan, an dessen
Spitze sich ein Krater mit 18km Durchmesser erstreckt. Die 18km Krater
lassen die Distanzen zum Kraterrand hin erahnen... Unsere laengste
Tagesetappe umfasste 37km und 1500 Hoehenmeter (bergauf!). Sollte jetzt
irgend jemand mit uns Mitleid haben, so koennen wir Euch beruhigen: Die
wirklich armen Schweine waren unsere Porter, die von uns 20kg
aufgepackelt bekommen haben und unsere gesamte Crew, kaum angekommen,
auf einer offenen Feuerstelle bekochen durften!
Und das
Expeditionsteam war recht beeindruckend: 4 Weisse (Mzungus), 1 Guide, 2
Porter und - besonders wichtig - 2 schwer bewaffnete Army-Men. Anders
gesagt: 4 Taschenmesser, 3 Macheten, 2 Kalaschnikows und 1 MG. Warum
wir bis auf die Zaehne bewaffnet waren wussten wir bis zum Schluss
nicht - waren doch die einzigen, zugegeben recht aufdringlichen,
Wildtiere Eidechsen, freche Streifenmaeuse und noch frechere Raben.
Die
Highlights dieses Treks waren sicher einerseits unser taumelnder
Gipfelsturm auf 4321 Meter und andererseits die Naechtigung in der
Tutum-Cave: eine riesige Hoehle mit Wasserfall davor, inmitten des
Urwalds, in der wir unsere Zelte aufschlugen. Einziger Nachteil:
unheimliche Schreie die ganze Nacht und Fledermausexkremente am Zelt am
Morgen danach.
Wir sind uebrigens noch dabei uns von diesem Gewaltmarsch zu erholen.
In God we trust (20.7.)
- lautet das Motto der hiesigen Verkehrsteilnehmer: auch das der Oeffis versteht sich.
Der
gestrige Reisetag hat das wieder einmal ganz gut veranschaulicht. Da
das Mt. Elgon-Massiv von einem immerfeuchten Regenwaldguertel umgeben
ist (und es dort taeglich ausgiebig regnet - was, nomen est omen,
'Mud-Roads' zur Folge hat), suchten wir nach nur einem halben Rasttag
das Weite. So kamen wir gestern in den Genuss der wichtigsten
Verkehrsmittel:
1. 6 km-Mudroad-Fussmarsch zur naechsten
asphaltierten Strasse (ohne Porter, obwohl wir ueberlegt haben sie fuer
den restlichen Urlaub zu engagieren...)
2. 100 km mit dem
Shared-Taxi. Dazu kommt es, wenn ein leeres Auto auf 4 Mzungus trifft
und kurzerhand beschliesst dorthin zu fahren wo die Mzungus hin wollen,
nicht ohne saemtliche am Strassenrand auf eine Mitfahrgelegenheit
Wartende noch in das Auto hineinzustopfen. Kuriose Episode: Der Mann,
mit dem sich Michael K. den Beifahrersitz teilte, steigt aus, um 2 km
auf einem Boda-Boda (Moped-Taxi) vor unserem Auto herzufahren und sich
anschliessend wieder zu Michael zu quetschen. Den 4 fragend schauenden
Mzungus wird daraufhin vom ebenfalls mitreisenden Polizeibeamten (einer
der 4 Rueckbaenkler) erklaert, dass man soeben eine Polizeikontrolle
passiert habe (er sei aber nicht 'on duty'). - Kaum zu glauben, aber
wahr: Es gibt sogar in Afrika Verkehrsregeln gegen die man verstossen
koennte.
3. 400 km mit dem grossen Autobus von Mbale nach
Kampala. Bei dieser Fahrt ist man schon geschlaucht bevor man
losgefahren ist, denn der Weg in den Bus gleicht einem Spiessrutenlauf
zwischen Provisionsjaegern, Maiskolben- und Chapati-Verkaeufern und
Taxifahrern. Hat man es endlich geschafft und der Bus faehrt los, ist
spaetestens nach 1 Std. mit einem ueberhitzten Motor zu rechnen. Aber
ein bisschen Durchlueften bis zur Reparatur des Schadens schadet nie.
Beim Chinesen (20.7.)
In Kampala sind wir diesmal in einem chinesischen Hotel einquartiert.
Es ist wirklich nicht leicht hier eine akzeptable Unterkunft zu finden
und wir freuen uns eigentlich schon wieder auf die morgige Abfahrt in
den Westen nach Mbarara. Den heutigen Sonntag allerdings koennen wir
hier richtig geniessen: Es ist nicht so busy wie werktags und wir haben
heute sogar schon den vermutlich einzigen Platz im Land gefunden, in
dem es richtig guten Kaffee (mit Vanillegeschmack) gibt. Heute heisst
es also mal richtig Chill-out.
Sister Act (22.7.)
Seit gestern logieren wir hier in Mbarara bei Schwester Justina. Maria
hat diese Kontaktmoeglichkeit ueber Bruder und Schwester in Not
bekommen und nach einem kurzen Mail wurden wir mit offenen Armen
empfangen. Justina ist Chirurgin und Uni-Professorin hier in der Stadt,
Nonne und wohnt in einer wunderschoenen Doppelhaushaelfte im
Nobelviertel, die wir zur Zeit mitbenutzen.
Kurze Unsicherheit
entstand gestern als uns Justina kurzerhand einen room fuer die boys
und einen anderen fuer die girls zuwies - wir hatten daraufhin sogar
Hemmungen vor ihr Haendchen zu halten - abends nach ein paar Bier
stellte sich das Ganze aber als Missverstaendnis heraus. Justina ist
wirklich alles andere als konservativ und eine interessante und
engagierte Frau.
Waehrend sie heute operiert, beschaeftigen wir
(d.h. die Maedls) einen Teil der lokalen Schneider mit
Massanfertigungen. Die Nervositaet steigt - heute um halb sieben werden
die Ergebnisse der Bestellungen praesentiert...
Es ist uebrigens
Generatoren zu verdanken, dass wir diesen Blog-Eintrag verfassen
koennen, denn obwohl Mbarara die Geburtsstadt des Praesidenten ist (und
das heisst hier was) kommt es immer wieder zu Stromausfaellen. Seit wir
hier sind hatten wir genau eine halbe Stunde Strom...
Wie die ganzen Naehmaschinen, die heute fuer uns surren, angetrieben werden brauchen wir dann ja nicht mehr extra zu erklaeren.
Morgen
geht es weiter in Richtung Norden - vermutlich nach Fort Portal (oder:
Port Fortal wie Edith zu sagen pfelgt). Einige Tage Sendepause sind
aber immer wieder drin, denn auf dem Weg dahin gibt es jede Menge
Nationalparks und Forest Reserves.
Jetzt gehen wir mit Sr. Justina
Mittagessen und freuen uns schon auf eine grosse Portion mit Matoke
(Bananenbrei), Posho (Maisbrei), Reis, Suesskartoffeln, Casava-Wurzeln
mit Bohnen, Kraut und Erdnuss-Sauce...
Besuch des oesterreichischen Praesidenten in Uganda (23.7.)
Mbara hat ja viel zu bieten. Stoffladen, Stoffladen, Schneider,
Schneider, Stoffladen, Stoffladen ... nachdem wir nach einem Vormittag
in Stofflaeden und bei verschiedensten Schneidern den Eindruck hatten,
die Stadt einigermassen zu kennen, nahmen wir dankend das Angebot von
Sr. Justina an, uns die Gegend zu zeigen. Dabei gab es allerdings zwei
kleine Probleme: 1. es gibt eigentlich nichts zum anschauen, 2. Sr.
Justina kennt nicht einmal das, was es nicht gibt.
So entschieden
wir uns zumindest die verschlossene Kirche von aussen anzuschauen. Von
einem sehr freundlichen alten Mann erhielten wir den Rat auch unbedingt
den braunen Bach zu besichtigen, dazu sollen wir mitten auf der Bruecke
stehen bleiben. Da der Bach sehr klein ist, war leider die Bruecke
nicht gross genug zum Stehen bleiben und wir fuhren weiter zum See, der
eigentlich ein Teich ist. Zuerst haben wir in von der einen Seite
besichtigt und dann hat uns die Schwester auch noch auf die andere
gefuehrt, wo der See direkt an das Lake View HOtel (besser Drecklacken
Blick HOtel) grenzt. Sofort wurden uns die Tore geoeffnet, die Bedinung
eilte herbei und Sr. Justina erklaerte kurzerhand, dass wir die Kinder
des oesterreichischen Praesidenten seien und uns das Hotel anschauen,
weil unser Vater gedenkt, hier auf Urlaub zu fahren. Wir wurden sehr
zuvorkommend behandelt und haben versprochen uns zu melden. Allerdings
wuerden wir vorher gerne den See noch etwas vergreoessern :-)
Kleider machen Leute (23.7.)
und schoene Kleider machen schoene Leute.
Nun stellt sich allerdings noch die Frage, was die frisch genaehten Kleider aus Edith und Maria machen>
- Batikhose in 70er/jahre style
- runder Rock mit riesen afrikanischen Muster
- flattrige Oberteile im afrikanischen Batiklook mit Abnaehern und REissverschluessen.
- Hose oben eng in der mitte weit und unten wieder eng
Keine Frage ist allerdings, dass wir den lokalen Markt unterstuetzt haben und viel Spass hatten.
Zur Modeschau in zwei Wochen seid ihr natuerlich alle eingeladen.
Boda-Boda-Trip (24.7.)
Inmitten von 1000en von Kratern liegt Fort Portal - eine Kleinstadt im
Rift-Valley. Und wir verweilen am Fusse des koeniglichen Palastes von
Toro. Das Beste an dieser wunderbaren Region hier (das 5000m hohe
Rwenzori-Gebirge, jede Menge Nationalparks und einige riesige Seen sind
die Highlights) ist, dass sich der Tourismus hier sehr nachhaltig
entwickelt: Eco-Tourism ist die Devise.
Und ganz nach dieser
Devise waren wir heute unterwegs: Auf vier massiven Boda-Bodas
(ugandische Waffenraeder, die sonst als Taxis fungieren) haben wir
einen Ausflug zu einer nahe gelegenen Tropfsteinhoehle und einigen
wunderschoenen Kraterseen gemacht.
Klingt einfach - ist es aber nicht...
1. wird hier auf der linken Seite gefahren.
2. entsprechen die Strassen eher einer BMX-Strecke.
3. hatte das Rad nur einen Gang.
4. ging es ziemlich bergauf und bergab.
5.
gilt auf diesen Strassen das Recht des Staerkeren (d.h. dass
motorisierte Fahrzeuge die Hupe vor der Bremse benutzen, waehrend
Fussgaenger und Radfahrer sich regelmaessig aufs Bankett schmeissen
muessen).
Wir haben also wieder einmal ein alltaegliches europaeisches Vergnuegen als Abenteuer erlebt...
Mzungus wie im Bilderbuch... (24.7.)
... werden wir Morgen sein: Wir vier mieten uns naemlich einen fetten
4x4 mit Chauffeur (einer der groessten Vorteile, die man als 4-koepfige
Gruppe unterwegs hat ist, dass die Kosten durch 4 geteilt werden
koennen).
Auf dem Plan stehen ein Ausflug ueber einen niederen
Pass der Rwenzori-Kette, in die tropischen Waelder des Semliki-Valley,
ein Abstecher zum Lake Albert und schliesslich lassen wir uns inmitten
der Kasenge-Crater-Lakes an einem Campingplatz absetzen.
Wir
versprechen uns von den naechsten Tagen erholsame Wanderungen in
paradiesischer Natur und vielleicht das eine oder andere Aeffchen (mit
viel Glueck sogar ein paar Schimpansen).
Anfang naechster Woche sollten wir laut Plan wieder zurueck in der Zivilisation sein.
Menschensafari (28.7.)
Mit unserem 4x4 erkundeten wir letzten Freitag auf eine uns sehr
unangenehme Weise das Semliki-Valley. Dieses Tal liegt an der Grenze
zum Kongo und wird durch das Rwenzori-Gebirge vom Rest Ugandas
abgeschirmt. Genau das ist der Grund warum man dort nur sehr schwer hin
kommt. Und die meisten Touristen muessen sich Tour-Operators
anvertrauen bzw. teure Waegen mieten, mit denen sie dann in den
Semliki-Nationalpark oder das -Wildlife-Reserve kutschiert werden und
dort auch auf Menschensafari gehen, denn es gibt dort Pygmaeen, die
"besichtigt" werden koennen.
Wir haben sowohl auf den Nationalpark
und selbstredend auf die Menschenschau verzichtet, sieht man doch auch
so leider sehr deutlich was die Gegend dort wirklich kennzeichnet: Als
Grenzregion kam es in der Vergangenheit hier immer wieder zu
Uebergriffen und Kindesentfuehrungen durch kongolesische oder
ruandische Rebellengruppen. Es sind viele Soldaten in der Region
stationiert und vermutlich auch viele Fluechtlinge aus dem Kongo...
All
das ist spuerbar durch die Angst vor den Autos ode den Fremden, die
einem hier als Touristen entgegen gebracht wird und immer wieder durch
die offene Ablehnung der Bevoelkerung, die besten Indikatoren sind
hierfuer die Kinder, die unserem Auto 'you shall never come back to
Uganda' nachschrien oder es anspuckten.
Allzuleicht vergisst man
in diesem schoenen Land, als Tourist meist von Nationalpark zu
Nationalpark reisend, wie viele Konflikte sich in dieser Region
abspielten und immer noch abspielen: Der Genozid in Ruanda, der
Buergerkrieg im Sudan und im Ostkongo, der Terror der
Holy-Spirit-Mobile-Forces bzw. der Lord-Resistance-Army in Norduganda
und der noch gar nicht so weit zuruekliegende Krieg zwischen Uganda und
Tansania, mit dem der Diktator Idi Amin bekannt wurde.
Drummer-Drama und Meerkatz-Moments (28.7.)
Was fuer ein Paradies, unser kleiner Campingplatz am Rande eines
Kratersees (Lake Nkuruba). Die erholsame Stille wird nur durch
Vogelgezwitscher, das Rascheln der Affen in den Baumkronen und das
Springen der Fische unterbrochen. So stellte sich unser Zufluchtsort
vor der afrikanischen Zivilisation dar. Mangusten und Horden von
Meerkatzen huschten ueber den Campingplatz und wir meinten schon hier
nie mehr weg zu wollen...
Und dann kamen SIE.
Die Affenhorden
wurden von einer Kinderhorde abgeloest, die sich mangels alternativer
Wochenendbeschaeftigungen zwischen unseren Zelten und de Restaurant mit
Trommeln niederliessen und eine Folkloreshow fuer Touristen
einstudierten. - Und das stundenlang - immer die gleichen Gesaenge,
immer das gleiche Getrommel in voller Lautstaerke.
Uns blieb nichts
als die Flucht zu erfgreifen und zu Fuss oder per Rad die Gegend zu
erkunden und dem Laerm ein paar Stunden zu entkommen.
Unser
Trostpflaster war auf jeden Fall die genialen Kuenste der
Kuechenchefin, bei der wir nur die Grundkomponenten des afrikanischen
Essens bestellten und sie zauberte daraus eine Haute-Cuisine, die
ihresgleichen sucht. - Vor allem hierzulande, wo mit Gewuerzen
aeusserst sparsam umgegangen wird - ja diese geradezu gemieden werden.
Kaum einer versteht wie die Europaeer und v.a. die Inder damit ihre
Speisen verderben koennen.
Mit dem Abnehmen wird es in diesem Urlaub also wieder nichts...
"Kaampala Kampaala Kampalaa" (30.7.)
diesen Rufen der Busbegleiter folgten wir gestern: die vierstuendige
Fahrt von Fort Portal nach Kampala fuehrte uns durch eine
Huegellandschaft der Teeplantagen, durch Nadelwaelder - und das beste
war wohl, dass man auf der juengst asphaltierten Strasse
durchschnittlich sogar 100 km/h fahren konnte. (Michl F. und Maria sind
uns uebrigens einen Tag voraus gefahren - erster befindet sich
mittlerweile wohl gerade im Landeanflug auf Cairo...)
Die Ankunft in
der Stadt gestaltete sich typisch - der Bus stand 20 Minuten vor der
Kreuzung still, nur eines von vielen Beispielen fuer den totalen
Verkehrsinfarkt hier in der Hauptstadt. Gestern abend gaben wir uns den
unglaublich (un-)organisierten (oder besser: sich selbst mehr oder
weniger regulierenden) Verkehr noch mal von oben. Von der Terasse
unseres Hotels aus beobachteten wir, wie eine halbe Stunde lang gar
nichts mehr ging, in den Kreuzungen stand alles - nur die Fussgaenger
kamen noch voran. An den Minibushaltestellen standen jeweils 100e von
Menschen, und wenn ein Minibus einfuhr, rannten diesem die Massen
entgegen, Trauben klemmten sich bei den Tueren fest, junge Maenner
drangen durch die Fenster in den Bus ein, bevor dieser stehengeblieben
war. Hier ist wirklich schwierig zu entscheiden, ob es so viel klueger
ist, das Auto (wenn man eines hat) zuhause zu lassen und auf die
Oeffentlichen zu vertrauen...
In der Bishop's Residence (30.7.)
Maria hat ueber ihre Caritas-Welthaus-Kontakte einen Besuch bei
Projektpartnern in der Dioezese Kasana-Luweero organisiert. Dieser
Besuch war fuer die letzten Tage unseres Urlaubs als
abwechslungsreiches "Zuckerl" geplant. Was aus dem harmlosen
Besuchsplan nun geworden ist, das uebersteigt aber unsere Erwartungen:
Per
Mail erhielten wir gestern das detaillierte Programm fuer die kommenden
vier Tage. Vom Fruehstueck in der Residenz des Bischofs angefangen,
ueber den Besuch einer Volksschule, einiger Landwirtschaftsprojekte
oder Jugendgruppen bis hin zum taeglichen "Evening Tea" um 4.30 pm
scheint unsere letzte Woche schon perfekt durchorganisiert. (Vielleicht
hat es sich ja aus Versehen herumgesprochen, dass wir die Kinder des
oesterreichischen Praesidenten sind?)
Heute um 12 Uhr werden wir mit
dem Fahrzeug der Dioezese vor dem Hotel abgeholt und fahren in das 60
km entfernte, noerdlich gelegene Luweero - voraussichtliches Ende des
Staatsbesuches: Sonntag, denn hier steht im Programm: "Visitors depart
for Kampala".
Wir sind also in besten katholischen Haenden ;-)
Neid... (30.7.)
ist wohl das einzige Wort das trifft, was ich nun empfinde. Neid. Weil
ihr noch in Uganda seid und ich morgen wieder arbeiten muss. :-(
Aber
ich bin auch froh, dass bei der Heimreise alle gut funktioniert hat.
Ober wohl ein Flug mit EgyptAir (StarAlliance Member) ansich ja schon
ein Erlebnis ist. Vorallem der Transit in Kairo!
Da ich schon einige
Bilder mit nach Hause gebracht habe und das Internet daheim einen Tick
schnelle ist gibst gleich noch ein paar Bilder:
Am Mt. Elgon (Wagagai Peak)
Typischer Straßenverkäufer

Relaxen am Lake Nkuruba (wenn grade nicht getrommelt wird)


Michl & Michl (3.8.)
Nur zur Klarstellung: Unser derzeitiges Team in Uganda: Edith, Maria
und Michael K. (!!!) - mittlerweile wieder in der Homebase in
Oesterreich: Michael F. (!!!).
[es gab da etwas Verwirrung bei manchen unaufmerksamen Bloglesern...]
An Michl F.: Danke fuer die Photos! Es vergeht kein Tag an dem wir Dich nicht vermissen... Cu soon.
You are mostly welcome - Thank you - Aminu (3.8.)
Diese drei Phrasen praegten unsere letzten Tage bei den Brothers and
Fathers. Noch mehr - auch physisch - praegten uns aber die taeglichen
drei Mahlzeiten + Teatime. So war es gut, dass wir immer durch die
Gegend kutschiert wurden; sonst haetten wir uns hoechtens rollend
fortbewegen koennen. Wobei auch das Kutschieren nicht immer ganz
gemuetlich war, denn unsere Prozession setzte sich aus zwei 4x4 und
einer 10-koepfigen Eskorte zusammen.
Das Programm war dicht
gedraengt (0800 Breakfast in Bishop's Residence, 1030 Abfahrt ins
Field, 1300 Speech, Prayer und Discussion mit Community, 1400 Lunch mit
Community im Field, 1630 Teatime [= Beertime], 1700 Smalltalk mit
Brothers und Fathers [You are mostly welcome - thank you], 2000 Supper
in Bishop's Residence), sodass wir von unserer Villa (der 'Austrian
Embassy') leider fast nichts hatten... - oder zumindest nicht allein.
Dann folgte Drummer-Drama II:
Der 'Leisure Time at Visitors Home
with Youth-Alive-Group'-Abend hielt was der Name versprach. Unser
Garten verwandelte sich in eine Party-Zone mit Beleuchtung, Beschallung
(2 riesige Boxen), 2 Buffettischen, 10 Essenstoepfe, 3 Bierkisten, 7
maennlichen Trommlern, 4 tanzenden Maedchen, 2 Stuhlreihen
Guinesstrinkender Brothers and Fathers. Besonders dramatisches
Highlight: Die Tanzeinlage der Mzungus mit Bastroeckchen (nicht
freiwillig, aber hoechst unterhaltsam ['thank you, thank you so
much']).
IRUDEKA - Von Biobauern, Sparvereien und Marketingstrategien (3.8.)
IRUDEKA - Integrated Rural Developement Project Kasana hat das Ziel die Armut von 2700 Haushalten zu reduzieren.
Strategien:
- Zusammenschluss in Farmergruppen
- Verbesserung
des landwirtschaftlichen Ertrags durch nachhaltige Methoden; z.B.
organische Duengung, Nutzung von Pflanzensymbiosen, ...
- Nutzung eines gemeinsamen Kontos inkl. Sparverein und interner Mikrokreditvergabe
- Entwicklung von Marketingstrategien durch Lobbying, Wertsteigerungen und Nischenprodukte
- Wissensvermittlung und Kompetenzerweiterung
- Modellfarmen ('Der Bauer glaubt nur was er mit eigenen Augen gesehen hat')
Unser Benefit:
- Perfektion in Short-Speeches ('thank you so much')
- Verzehr der suessesten Bio-Ananaesse
- Wir koennen Matoke von Sweet-Banana unterscheiden
- Intensiver Austausch mit den Farmer/innen ueber Landwirtschaft, Haarfaerbemittel und Verhuetungsmethoden
Anfang vom Ende (4.8.)
Heute ist unser Abschlussabend hier in Kampala, d.h. der letzte
richtige Abend unter Ugandern im Hotel. Nach einem anstrengenden Tag
der Erledigungen - mich ausgenommen, denn ich verweilte mit Heimito von
Doderers 'Die Daemonen' im Hotelzimmer. Edith und Maria shoppten
nochmals quer durch die City und sind jetzt komplett fertig, was ihnen
in unserem Hotel zum Vorteil gereicht: Die zentrale Lage am City Square
bringt naemlich naechtliches Dauerhupen und spaete (oder fruehe)
Gesangseinlagen mit sich. Da braucht man schon einen guten Schlaf - dem
wir mit ein paar 'Club' (unser bevorzugtes ugandisches Bier) nachhelfen
werden, denn morgen erwartet uns ohnehin eine kurze (in Bezug auf den
Schlaf) bzw. lange Nacht in Entebbe.
Back home (7.8.)
Nach einer äusserst langwierigen Heimreise (Übernachtung am Flughafen,
streikendes Auto, Staus...) sind wir gestern am Abend müde nach Hause
gekommen und wurden von Michl herzlichst empfangen. Zu Ediths 28.
Geburtstag gabs dann in Inzing nicht nur eine super Torte, sondern auch
noch eine Bio-Kürbis-Zucchini-Lasagne (Eigenanbau) und südsteirischen
Wein. Herz was willst Du mehr! Dazu schönes Wetter und ein weiches,
sauberes Bettchen... Ideal, um langsam die Rückkehr in den Alltag zu
beginnen.